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Aus dem Buch „Die Lüge mit der Lust“, Goldmann:
...New Age – die falsch gepolte Lust: Im achten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts brachen viele nach einem lusterfüllten Leben Suchende auf, das neue Zeitalter zu finden. Das New Age. Sie zündeten Räucherstäbchen an, trugen teure Edelsteine in den Hosentaschen und fassten sich in Kursen und Seminaren bei den Händen und bemühten sich, immer ganz entspannt, ganz sanft und friedlich zu sein. Sie verbannten alle Aggressionen aus ihrem Leben, alles Böse und dachten nur noch positiv. Denn das Gute, das Friedliche und das Positive, das war Liebe, so dachten sie und erhofften sich auch im sexuellen Beisammensein die höchste Liebeslust. Doch mit den Räucherstäbchen verglomm bei vielen mitsamt der scheinbaren Erleuchtung auch die Lust... Der Weg zur richtig verstandenen, spannungsreichen und dauerhaften Harmonie sieht anders aus...
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...CDU und CSU sehen durch Pornographie ohnehin den moralischen Bestand der Gesellschaft gefährdet und wissen dabei auch die Kirche hinter sich. Wieder einmal entstanden merkwürdige Koalitionen: Auch „Emma“-Macherin AliceSchwarzer will wie die Kirche erreichen, dass Pornovideos vom Markt verschwinden. Frau Schwarzer ist allerdings ohnehin sehr streng mit uns und meint, wenn eine Frau heiße Wäsche anziehe und in Stöckelschuhen gehe, trage das allein schon zur Pornographisierung des Alltags bei...
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...In Pornos sind Frauen für den Mann immer verfügbar. Mann kann Frauen ohne Ängste konsumieren. Denn zu den Sexualängsten der Frauen – die durch Pornos abgebaut werden können, sich aber durch Porno-Leistungsnormen auch verstärken – kommen die neuen Ängste des Mannes: er, der früher über „prüde Weiber“ herzog, fürchtet nun die Selbstbewusste, omnipotente Frau. Mann ist ganz schön verunsichert...
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...Doch halt, da gab es doch die Kommunarden? Die Kommune I, die Leute um den Drahthaar-Wuschelkopf RainerLanghans und den Politclown Fritz Teufel. Waren die nicht wesentlich lockerer und brachten all ihre freakigen Philosophien auf witzige Weise rüber? Haben die nicht wenigstens dafür gesorgt, dass die neue sexuelle Freiheit nicht in neuer, aufgeklärter Verbiestertheit endet? Die predigten absolut freie Sexualität und Langhans war es doch, der das bildhübsche Modell Uschi Obermaier auf die spartanische Kommunardenmatratze zog?
Pustekuchen. Damals stellte sich jedermann bei der Langhans-Kommune die tollsten Orgien vor, und Studenten platzten vor Neid, wenn sie das kleine Würstchen Langhans mit der schönen Uschi in die Münchner TU-Mensa zum Studentenfasching oder in das Schwabinger Linkslokal Kleiner Bungalow in der Türkenstraße reinrauschen sahen – aber Uschi Obermaier zeichnete vor ein paar Jahren in ihren Erinnerungen an diese Zeit ein ganz anderes Bild. Eines, das von Verklemmungen in der Kommune erzählte, von Eifersuchtsszenen und permanenten Potenzproblemen der Kommunarden. Da half kein Siegmund Freud und kein Wilhelm Reich, den sie alle auswendig zitieren konnten: Auch ohne Ehe und obwohl sie trotzig alle Normen und Vorstellungen der etablierten Gesellschaft über Bord geworfen zu haben glaubten, trat die unbegrenzte, hemmungslose Liebeslust nicht schlagartig ein, wie theoretisch erdacht. Die Schriften brachten zwar den Geist hoch, aber auf der Kommunardenmatratze herrschte oft Frust.
Immerhin – der Anfang war gemacht. Umbruchzeit, Aufbruchstimmung, Zusammenbruch alter Normen: Die Sechzigerjahre brachten in der bundesdeutschen Welt den bisher größten Wandel seit Kriegsende. Der enge Schulterschluss zwischen politischen Forderungen und der Analyse sexueller Fragen lockerte sich bald. Die Apo-Größen setzten in den Siebzigerjahren an zum Marsch durch die Institutionen. In der Sexualität trat eine stückweise Umsetzung in alle gesellschaftlichen Realitäten ein. Der Gesetzgeber in Bonn, die Illustrierten, die Filmemacher – alle beschäftigten sich auf neue Art mit dem Thema. Ganz sicher ist davon bis heute viel übrig geblieben.
Aus „Das große Schuco-Buch“, Droemer Knaur:
Richtig aufs Blech hauen – das war das ganze Geheimnis von Schuco, im doppelten Wortsinn. Richtig aufs Blech hauen, das hieß mit Mut und Kreativität eine ganz neue Art von Spielzeugen zu entwickeln und sich dabei nicht beirren zu lassen. Richtig aufs Blech hauen, das hieß eben auch, tatsächlich das Blech mit Liebe richtig zu formen, zu hämmern, entsprechend den genialen Konstruktionen für die Schuco-Spielzeuge. Das Geheimnis der Schuco-Spielzeuge, ihre unerreichte Genialität war, dass jedes dieser Produkte etwas überraschend Neues bot...
Aus dem Buch „Sandra – Ich, die Hexe“, Goldmann:
Tam-tamtam-tam-tamtam singen die Trommeln schon fast seit drei Stunden, immer der gleiche Rhythmus. In der Mitte brennt ein großes Feuer, und gut hundert Menschen sitzen drumherum. Rund zwanzig schwarze Leiber bewegen sich zu den dumpfen Schlägen der Tamtams, voll in Trance. Die Frauen und die Männer sind festlich gekleidet, die edelsten Tücher um die rotierenden Hüften, mit dicken bunten Halsbändern, Federn überall, an den Hüften, in den Händen, an den Handgelenken. Jetzt stehen noch mehr Frauen auf und wiegen sich mit im mächtigen Rhythmus – sie tanzen nicht selbst, ich spüre deutlich, sie werden getanzt... 1964, als ich diesem Voodoo-Ritual in einem Buschdorf zwanzig Kilometer weg von Kissidougu beiwohnte, war ich schon über ein Jahr in Afrika...
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...Überhaupt können wir alle sehr leicht große Schritte auf dem Weg zu einer Sensibilisierung machen, die Voraussetzung jeglicher Spiritualität ist, indem wir schlicht unsere Sinne im Alltag bewusster einsetzen. Schauen Sie zum Beispiel genauer hin; hören Sie dort bewusster und geduldiger zu, wo Sie schon lange nicht mehr hingesehen und zugehört haben!...
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...Heute leiden so viele von uns darunter, dass sie sich einsam und unselbstständig fühlen. Das ist, genau betrachtet, ein schlimmes Paradoxon: Sie fühlen sich allein. Und sind nie für sich. Wenn wir den richtigen Weg gehen, sind wir nie mehr allein. Aber immer für uns.
Aus dem Buch W. Riedel/S. Esser „Angst darfst du haben – fürchten musst du dich nicht; Wie Hypnose mir geholfen hat, das Unmögliche zu schaffen“, Droemer (ab 6/2007 als TB „Wie Hypnose hilft“):
(Prolog)
Tibet – vor vielen Jahren.
Fahl, als sei auch sie völlig erschöpft, ist die Nachmittagssonne ab und zu als ausgebleichte Scheibe durch die nebligen Schneewolken zu sehen. Nur undeutlich sehe ich diese typische osttibetische Landschaft mit ihren mächtigen und doch so seltsam sanften Hügeln am Horizont. Die Temperaturen sind in der vergangenen Stunde rasch gefallen, in der Nacht rechnen wir mit minus dreißig Grad. Aber hier, in dieser Steppe, gibt es keinen Schutz, kein Versteck vor der Kälte – und auch nicht vor den Chinesen. Wir haben kein Zelt dabei, hatten gehofft, wir würden vor Einbruch der Dunkelheit noch das nächste Kloster erreichen, aber der Schnee hat unser Vorankommen verlangsamt. Meine Begleiter, drei tibetische Mönche, bedeuten mir, dass wir in dem stürmischen Wetter kein Feuer machen können; außerdem würden es die chinesischen Soldaten sehen, die nach uns suchten. In diesem Moment dachte ich, wir würden die Nacht in diesem Sturm und dieser Kälte vielleicht nicht lebend überstehen.
Die Mönche sehen mich mit einer seltsamen Ruhe an. Schließlich lassen sie drei Yaks in meiner Nähe stehen und gehen mit den anderen zwei Tieren etwas zur Seite. Sie nehmen ihnen das Gepäck ab und bevor ich es begreife, töten sie die Yaks rasch mit ihren Messern, schneiden sie auf, ziehen ihnen die Felle ab, zerlegen das Fleisch, ordnen es mit geübten Handgriffen sorgsam in feste Tücher und verschnüren die Pakete. Der Wind tost immer stärker, wie ein unsichtbares Gift dringt die Kälte tief in jeden Winkel meines Körpers. Die Dunkelheit bricht über uns herein. Mit meinen steifen Händen helfe ich, aus dem Gepäck und den Fleischpaketen einen schützenden Wall zu bauen, hinter den wir uns dann kauern, jeweils zwei von uns zusammen in ein warmes, außen blutnasses Yakfell gewickelt. Niemand spricht. Ich sehe noch eine Weile auf das Weiß des Schnees, bis es in der Schwärze der Nacht kaum noch zu erkennen ist, höre den Wind heulen und tue das, was die Mönche auch tun: Ich meditiere, sehe Bilder von Wärme und Leben, immer intensivere Bilder, in denen sich das unheimliche und drohende Brüllen des Sturmes zu einem sanften Rauschen an einem sonnigen Strand wandelt. Und je ruhiger ich werde, desto weniger schmerzt die Kälte, kann ihr Gift wirken. Wellen der Wärme spülen es weg. Ich bin eins mit dem Fell des Yaks geworden. Nun weiß ich wir werden die Nacht überleben.... Ich habe diesen Weg gewollt. Mein größtes Interesse als zukünftiger Therapeut gilt der Hypnose, und nach langen akademischen Studien möchte ich nun in den tibetischen Klöstern den immer noch geheimnisvollen Kräften unseres Unterbewusstseins näher kommen...
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...Schauen wir uns an, was Hypnose grundsätzlich ist. Das Wort „Hypnose“ kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „Schlaf“. Doch diese Bezeichnung ist irreführend. Im Zustand der Hypnose oder Selbsthypnose schläft man nicht, sondern befindet sich vielmehr in einer Form zwischen gewohntem Wachbewusstsein und Schlaf, nämlich in einer durch Suggestion erzeugten Trance. In diesem Zustand ist man innerlich heruntergefahren, aber weder taub noch weggetreteten. Man hört alles, was um einen herum passiert, nur wird einem in der Trance die Menge an Außenreizen unwichtig, weil man sich stattdessen auf Wesentliches konzentriert. Der Verstand wird dabei ausgeschaltet, in den Vordergrund tritt die Kommunikation mit dem Unterbewusstsein... Bei diesen Methoden findet man das, was die Grundvoraussetzung für jede Form von Lebensglück ist: sich selbst.... Hypnose entfacht von der ersten Stunde an die nötigen zündenden Funken in Ihrem Unterbewusstsein und gibt Ihrem Inneren alles an die Hand, damit Ihr Leben durch Ihre eigene Aktivität eine rasche positive Änderung erfährt. Angesichts solcher Möglichkeiten lohnt es sich, die Kraft des Unterbewusstseins und seine viele Millionen Jahre alte Geschichte genauer anzuschauen...
Aus dem Buch „RIEDEL - glasmacher seit 250 jahren, geschichte und zukunft“, Droemer 2005:
16. März 1946, ein klarer Tag. Ächzend hatte sich die Lok den etliche Kilometer langen Brennerpass hinaufgekämpft, die vielen vollbesetzten Wagen, die hinten an ihr ziehen, machten es ihr nicht leicht. Auf 1370 Metern Höhe schließlich wurden die Gleise flach, und der Schienenkonvoi der Amerikaner hielt kurz an der Grenze zwischen Italien und Österreich an. Mühsam setzte sich dann der lange Treck wieder in Bewegung. Es geht die österreichische Brennerseite abwärts, es ist steil, es gibt viele Kurven, der Zugführer muss das Tempo gedrosselt halten. In einem der hinteren Waggons, in dem dutzende Kriegsgefangene kreuz und quer zwischen den Gepäckstücken sitzen, öffnet ein schlanker Mann die Tür nach draußen. Sie war unverschlossen, eigentlich seltsam. Die meisten anderen deutschen Gefangenen waren – nachdem sie die Grenze passiert hatten – längst wieder eingenickt. Mit einem metallischen Kreischen fährt der Zug nun sehr langsam in eine lang gezogene Kurve.
Der junge Mann schaut, auf der rostigen Ein- und Ausstiegstreppe des Wagens stehend, mit nervös-tastendem Blick immer wieder rasch nach links und rechts, schließlich nach vorne, wo sich direkt hinter der Lok der Waggon mit den amerikanischen Bewachern befindet. Plötzlich wird eine schmale Bergschneise sichtbar. Die Chance. Tief atmet der Einundzwanzigjährige nun durch, federt mehrmals mit den Knien, blickt schräg nach vorne, wo die schnaubende und rauchende Lok von der engen Passage verschluckt wird. Schon folgt der Waggon der Bewacher. Jetzt oder nie, keiner wird hier auf dich schießen können. Der Kriegsgefangene befiehlt sich selbst, an nichts Weiteres zu denken. Springen – nur darum geht es noch. Den Bruchteil einer Sekunde später befindet er sich im freien Fall, dann wird der Deutsche von der eisigen Kälte einer bauschigen Schneewechte aufgenommen... Über ihm, er schaut lieber nicht hin, rumpeln beängstigend laut die übrigen Waggons des Zuges vorüber... Als das Rattern des Zuges in der Ferne abklingt, sich Stille um ihn ausbreitet, wagt er immer noch nicht, sich zu rühren. In diese unheimliche Stille hinein hört der Kriegsgefangene Claus Riedel das heftige Pochen seines Pulses. Je mehr er auf das Geräusch achtet, je intensiver hört er zugleich einige Vögel in den nahen Bäumen herumflattern. Ihm wird auf einmal bewusst: Er ist geflohen, einfach so...
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...Der legendäre Sprung von Claus Riedel beim Berg Isel, zwischen Brenner und Innsbruck, war die entscheidende Weichenstellung für den Aufbau des heutigen Glasunternehmens Riedel in Kufstein. Es war der Beginn dessen, was in den kommenden fünf Jahrzehnten zur jetzigen Bedeutung der Riedel Wine Glass Company führte. Riedel gilt weltweit als Hersteller vor allem von Weingläsern in außerordentlich feiner Qualität und atemberaubend edlem Design. Das Unternehmen produziert Gläser, die den Geschmack von Weinen verschiedener Rebsorten auf die Spitze des Genusses treiben. Aber der Sprung von Claus Riedel hat nicht nur Symbolkraft für die Gegenwart. Die Geschichte der Riedels reicht schließlich ein Vierteljahrtausend zurück, bis hin zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Es ist die Geschichte einer Familiendynastie, die allen politischen und wirtschaftlichen Krisen trotze, in der sich Künstler und Geschäftsleute aus mittlerweile elf Generationen der Faszination des Glases verschrieben haben...
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...Einer der frühen Händler war Johann Christoph Riedel. Er zog Anfang des 18. Jahrhunderts als Glashändler durch die Lande – und manchmal, wenn er gut verkauft hatte, kam er mit vielen Münzen zurück. Das wurde ihm zum Verhängnis: Der „Ur-Riedel“ wird grausam ermordet...
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...Die Schatten, die der Krieg vorauswirft, werden immer kürzer. Bei den abendlichen Einladungen in der schönen Villa der Familie Riedel, die nun immer seltener stattfinden, drehen sich die Gespräche einzig um Politik und Wirtschaft. Walter Riedel (1895-1974) erhofft sich durch den Anschluss an das Deutsche Reich eine positive Wende. Doch gleichzeitig kann die Angliederung an das Deutsche Reich für die Firma auch eine große Gefahr bedeuten. Immerhin werden sich in Zukunft die Exportumstände verändern. Was letztlich bleibt, ist die Ungewissheit und wieder einmal die Aussicht auf mögliche unkontrollierbare Eruptionen in Wirtschaft und Politik. Als Deutschland schließlich den Krieg beginnt, sieht Walter Riedel – wie so viele andere – dies vordergründig erst einmal nicht als Katastrophe an. Er kann nicht einschätzen, welche Ausmaße Hitlers Wahnsinn annehmen wird...
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...Als man ihn 1944 im Reichsluftfahrtministerium fragt, ob er vielleicht fähig wäre, einen Glaskolben von möglichst bis zu 76 Zentimetern herzustellen, fängt er zu überlegen an. Er ist sich bewusst, das hat zuvor noch niemand geschafft, der bisherige Lieferant erreichte nur Durchmesser von maximal 38 Zentimeter. Walter Riedel weiß: Die Kolben werden für Luftabwehr-Ortungsgeräte gebraucht, und je größer diese Bildschirme sind, desto früher kann man angreifende Flugzeuge erfassen... Das technische Problem ist tatsächlich sehr delikat... Walter Riedel wagt den Husarenritt. Drei Wochen später erscheint der Mann, der noch nie eine Herausforderung gescheut hat, mit einem 76 Zentimeter großen, stabilen Bildschirm in der Reichshauptstadt. Zum Erstaunen der militärischen Führung funktioniert er hervorragend. Riedel, der technische Zauberer, der moderne Alchimist, hat einen großen Auftrag in der Tasche. Wenig später muss er dafür mit zehn Jahren seines Lebens bezahlen. Denn am Ende des Krieges schnappt für Walter Riedel eine Falle zu, eine, die er sich mit seinen genialen technischen Fähigkeiten unwissentlich selber gestellt hat...
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...War Walter Riedel ein technisches Genie, so ist es Claus im Designbereich...
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...Claus Riedel hat das Grundkonzept, die Basis für eine ganz neue Philosophie in der Weinglasherstellung geschaffen. Sie wird von seinem Sohn Georg stetig weiter entwickelt. So ist die Herstellung von Riedel-Gläsern heute ein hochmoderner Prozess, der auf 2000 Jahre alten Handwerkstraditionen beruht. Das manuell gefertigte Riedel-Kristallglas ist die Königin unter den Gläsern...
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...Zum exzellenten Image gesellt sich im Jubiläumsjahr 2005 die Aufstellung als eines der weltweit größten Glasunternehmen. Die Firma Riedel hat sich ein Sprungbrett für die Durchdringung der Weltmärkte geschaffen. Und kann nun wieder zum Sprung ansetzen.
Aus dem Beitrag im Buch „100 hannoversche Köpfe“, CW Niemeyer:
Vom Tellerwäscher zum Millionär – das ist heute eigentlich nicht mehr möglich. Oder doch? Wie wäre es mit: vom Autowäscher zum Millionär? Das ist die Geschichte des Geldanlagenfachmanns Jörg Bantleon, der als gebürtiger Hannoveraner so einige Tugenden, die man seiner Stadt zuschreibt, bei der Gründung seiner Bank manifestierte...
...Nüchternheit statt Augenwischerei, Verantwortungsgefühl und Transparenz in allem Handeln, Realität statt Inszenierung; Beständigkeit, Ergebnisorientierung – so einfach sind die Rezepte von Bantleon. Vielleicht sollte man der Vollständigkeit halber sagen, dass auch ein Schuss Unternehmertum dazugehört. Edle Autos hat er als junger Mann auch deshalb gern in den Parks der Villen gewaschen und poliert, um herauszufinden, wie die Welt des Besitzers aussieht....
Aus dem Beitrag „Ausländerfeindlichkeit in der Arbeitswelt“ im SPIEGEL-Buch „Ausländer – Die verfemten Gäste“:
Der Hochofen wird geöffnet, grell glühende Lava läuft heraus, wälzt sich in den Sandrinnen vorwärts. Oberschmelzer Herbert Wiesner, 28 Jahre am Hochofen, gibt Zeichen, der Spanier Candido Roman, 17 Jahre Hochofen, stochert zusammen mit seinem türkischen Kollegen mit einer langen Stange im Lavastrom, schiebt die Schlacken beiseite, das flüssige Metall rinnt in einen großen Container. Dann schaufeln die Arbeiter die schweren Schlacken weg, formen die Sandbahnen neu. Nach ein paar Minuten Verschnaufpause schießt der neue Metallstrom auf sie zu.
Hochofenarbeit ist Knochenarbeit, und da findet man vorwiegend Ausländer. Hier ist er Kollege, hier darf er’s sein. „Bei uns wird die Arbeit gemeinsam gemacht, keiner ist etwa ausländerfeindlich“ sagt Oberschmelzer Wiesner, und Candido Roman strahlt dazu: „Alles gut hier, die Kollegen sind prima.“ So sind aber längst nicht mehr alle deutschen Arbeitnehmer zu ihren Kollegen... Ausländerfeindlichkeit schleicht sich wie eine Droge ins Hirn und lässt plötzlich alles so einfach erscheinen: Wir schmeißen einfach die Millionen arbeitenden Ausländer raus, und schon gibt es Arbeit in Hülle und Fülle. Am besten auch die Angehörigen hinterdrein, denn überhaupt, die Ausländer nehmen uns ja nicht nur die Arbeitsplätze weg, stören uns mit ihren fremdländischen Sitten und belästigen ohnehin unsere Frauen...
...Tatsächlich wurden die ausländischen Kollegen seit den fünfziger Jahren nicht eingeladen, um „Gastfreundschaft“ zu genießen, sondern vom Staat im Interesse der Unternehmen systematisch angeworben, meist um Arbeiten zu verrichten, die so schwer, so gefährlich, langweilig, gering geachtet und schlecht bezahlt waren, dass sich dafür kein Deutscher mehr finden ließ... Aus dem keineswegs gewerkschaftsnahen Handelsblatt: „Je monotoner die Arbeit ist, desto eher sind an solchen Arbeitsplätzen Ausländer beschäftigt... So deuten die Befunde darauf hin, dass Ausländer insgesamt an risikoreicheren Arbeitsplätzen tätig sind.“
Der Türke Aydin Ferattin arbeitet an so einem risikoreichen Arbeitsplatz. Seit 13 Jahren schon kriecht er täglich im Großrohwerk in die langen Pipeline-Röhrenstücke, er zwängt sich bäuchlings hinein. „Wie eine Schlange musst du sein“, sagt Ferattin, denn diese Rohre haben nur 40 und 50 Zentimeter Durchmesser. Im Rohr werden mit Schleif- und Schweißgeräten die Nähte nachgearbeitet. Die Rohre sind dann in Ordnung, die Knie und Ellenborgen der Arbeiter schon lange kaputt. Aber Angst um seinen Arbeitsplatz muss in dieser rein türkischen Truppe keiner haben. Ferattin: „Wer will das schon machen?“...
Erst da, wo der eine dem anderen, nämlich der Ausländer dem Deutschen, garantiert keinen Arbeitsplatz mehr „wegnehmen kann“, gibt es auch garantiert keine Ausländerfeindlichkeit mehr. Das ist makabrerweise der Fall, wenn Betriebe Pleite machen, wenn ganze Belegschaften auf die Straße gesetzt werden.
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„Madame“, „Raus aus der Stressfalle“:
Kennen Sie das? Man wacht am Morgen auf und schon bekommt man den ersten Schweißausbruch beim Gedanken an den ganz normalen täglichen Wahnsinn, der einen erwartet. Etwa die Aussicht auf „nette“ Mobbing-Kollegen im Büro oder auf die Dosis Gift im Miteinander mit dem Mann, den man doch mal so bedingungslos geliebt hat. Bei anderen ist es vielleicht das schlechte Gewissen, das am Seelenfrieden zerrt und einem ins Ohr flüstert: Da lässt du dein Kind bis zum Nachmittag im Hort schmoren, nur weil du deinen Karrieretrip durchziehen musst, es ginge doch alles auch mit etwas weniger Geld. Ginge es? Ja, nein...
Der Druck in unserer durchgestylten und perfekte Funktionsfähigkeit abverlangenden Gesellschaft ist groß. Man hechelt hinter der Erfüllung aller Anforderungen her und doch bleibt viel auf der Strecke. Wünsche und Sehnsüchte werden als spätere Option in die Zukunft verdrängt. Das Hier und Jetzt aber ist geprägt von grauer Kälte, von Beklemmung, oft von Ängsten. Krisenhafte Situationen spitzen sich zu, man fühlt sich unter Druck wie ein gepresstes Blatt, auf das Tag für Tag noch ein weiteres Buch geschichtet wird.
„Normalerweise“ hatte man doch so viel Power und Elan... Wo ist der Faden, der aus dem Labyrinth herausführt?...
Aus „Madame“, “Powerstation Unterbewusstsein“
...Hypnose ist aus natürlichen Abläufen abgeleitet, bei Naturvölkern heute noch selbstverständlich. Wir aber haben uns von diesem Wissen mehr und mehr entfernt. Dabei ist Hypnose jedem näher, als man denkt: Permanent hypnotisieren wir uns selbst mit suggestiven Vorstellungen – leider meist mit negativen. Wer sich vier Wochen vor einer Prüfung dauernd ausmalt, dass er sie nicht schafft, wird sie nicht schaffen. Aber auch auf schöne Weise befindet jeder Mensch sich täglich einmal oder mehrmals in einer Art Hypnose. In einer Tiefenentspannung, in welcher die Gehirnwellen „heruntergeschaltet“ werden, in der sich ohne jegliches Einschalten des Verstandes, des Intellekts, nur über Emotionen und Empfindungen das Unterbewusstsein mit etwas beschäftigt. Das passiert zum Beispiel beim weltabgewandten Lesen eines fesselnden Buches oder wenn man Tagträumen nachhängt.
Alles Situationen, in denen sich der Mensch in einem anderen Bewusstseinszustand, in einer anderen Welt befindet. Genau das geschieht auch bei der Hypnose. Dann ist alles, was man tut, denkt, fühlt, genau das, was man selbst will. Man spürt, dass man unbeeinflusst von äußeren Dingen ist. Man fühlt angesichts der Möglichkeit, nun seine Weichen problemlos neu stellen zu können, sogar ein wonniges Glücksgefühl...
Aus “Metropolitan“, „Jetzt mach’ ich sie an. Oder?“
Du kommst nach Hause, wirfst den Schlüsselbund auf die Ablage im Flur, die Lederjacke in die Ecke und holst Dir knurrend noch ein Fläschchen Pils aus dem Kühlschrank. Es ist so gegen Mitternacht, das Bier schäumt und du auch. Du stützt das Kinn in die Hand und denkst, was für ein großer Trottel warst du wieder. Vorhin an der Bar, im Nachtcafé.
Eben die alte Geschichte: Wollen und nicht können. Nicht im Bett, nein, lange vorher. Präkoitale Impotenz sozusagen. Du standest an der Bar in diesem In-Lokal, frisch rasiert, souverän blicktest du in die Runde, taxiertest mit feinstem Chauvie-Gespür, was es an weiblichem Angebot heute gab. Dachtest ein wenig an deine Termine morgen.
Und plötzlich steht sie da. Drei Meter neben dir, einssiebzig hoch, mit einer Freundin. Sie bestellt Orangensaft und sieht ganz entzückend aus, so lieb, so offen, so clever. Nicht nullachtfünfzehn, nein, eigene Schönheit, unbegreiflich, nie gesehen. So richtig zum Einfach-in-die-Arme-nehmen. Weiche, dunkle Haare, diese großen Augen, diese Fröhlichkeit in der Mimik.
Deine normalen Touren versagen. Du gehst nicht nach der Schablone Arsch und Angesicht, Busen und Beine vor. Du denkst nicht mehr dran, in der Anmacher-Grabbelkiste nach dem besten Spruch zu suchen. Hoppla, jetzt spürst du sogar leichten Pudding in den Knien, als sie dich anlacht. Du siehst nur dieses bezaubernde Gesicht.
Reiß dich zusammen, Mann. Geh doch zu ihr, sag ihr einfach, wie hin und weg du bist und dass du etwas verlegen bist, weil dir wirklich nichts einfällt, außer ihr zu sagen, wie unglaublich bezaubernd sie ist.
Ach, geh lieber nicht hin, die hat vielleicht gar nicht dich angelächelt. Nee, geh` doch hin. Was kannst du schon verlieren, mehr als einen Korb kannst du nicht kriegen, und merken tut das auch keiner in dem vollen Laden hier. Ja gut, ich geh` hin. Aber etwas später, sie scheint ja gerade was ganz Wichtiges mit ihrer Freundin zu besprechen. Ja, okay, nachher. Bestellen wir erst mal noch ein Glas Bier...
...Vielleicht jetzt? Was ist los, wo ist sie? Nur die Freundin steht da. Ah, was ein Glück, da kommt sie wieder. Dieser sanfte, weiche Gang. Die großen, dunklen Augen im weichen, ovalen Gesicht und diese Lippen. Ganz ohne Pampe drauf. Aber samtig und dunkelrot. Also los, jetzt gehste hin, wie? Und wenn sie doof ist? Ja, vielleicht ist sie doof. Ach, warten wir lieber noch. Erst mal weiter beobachten. Da, jetzt schaut sie wieder zu dir. Doch, ganz sicher zu dir. Und mal ehrlich, das ist die Wahnsinnsfrau, nix hopp und ex. Mit der könntest du dir wirklich was Ernstes vorstellen. Also geh’ hin. Tu was, sag was...
...
...Da – das darf doch nicht wahr sein. Sie und ihre Freundin nehmen ihre Jacken und bahnen sich den Weg zum Ausgang. Sie gehen. Sie geht! Und du? Du bleibst wie festgenagelt stehen. Panik. Dein Herz will losspurten. Dein Körper steht wie in Blei gegossen. Dein Mund steht offen.
Die Chance ist verpasst. ...
...
... Aber wirklich, jetzt hast du echt gute Vorsätze. Bei der nächsten Traumfrau wird alles anders. Ab sofort wirst du nur noch die U-Bahn verpassen. Und sonst gar nichts.
„Metall“, „Weltkulturerbe Völklinger Hütte“:
Still ist es hier oben. Sanfter Wind kommt auf. Leise rascheln im flirrenden Frühlingslicht die Blätter des zarten, knapp zwei Meter hohen Bäumchens, um das sich auf dunkler, dünner Erdschicht ein Kranz saftiger Grashalme schmiegt. Das winzige Biotop steht auf einem rostigen Schrank mit drei Spinden. Der Schrank steht in 27 Meter Höhe auf einem dunklen, metallenen Monstrum, einem der sechs Hochöfen der Völklinger Hütte, die zusammen mit den meterdicken Gasleitungen und den sich hochreckenden Winderhitzern mit ihren runden Kuppeln aus der Ferne wie eine überdimensionale Moschee im Techno-Look wirken.
Vor dem Schrank steht der 61jährige Werner Groh, horcht verwundert, ob nicht doch einmal ein Geräusch zu hören wäre, wo es doch früher, als jeder Ofen täglich tausend Tonnen Roheisen ausspuckte, gewaltig laut war. Neben ihm ein kinderarmdickes Rohr mit offenem Ende. Werner tippt dagegen, Rost bröselt: „Das war unser Telefon, 27 Meter Rohr nach unten, die Kollegen haben mich prima verstanden, trotz des Lärms.“ Dann blickt Werner ins vergammelte Dunkel der offen stehenden linken Türe: „Ja, das war er. Mein Werkzeugspind. Da schau, an den Haken hab’ ich immer nach Schicht meine Handschuhe aufgehängt.“
Schon lange ist der Spind leer. Nun gehört der Hochofenbereich, alles zusammen über 50 000 Tonnen Stahl, einer Macht, die heißt Vergänglichkeit. Nicht mehr rentabel, lautete das Todesurteil für die Hochöfen...
...Die Menschen gingen und der Zahn der Zeit überzog alles mit seinem morbiden Make-up, dem braunroten Rost. Die Völklinger Hochöfen, einst rund um die Uhr rotglühendes, rauchendes Symbol deutschen Stahlarbeiter-Stolzes, verfielen der Ästhetik des Verfalls. Niemand redete mehr von den Arbeitern, die hier jahrzehntelang schufteten, das Herz der Hütte am Schlagen hielten. Arbeiter, die in jeder Schicht die Hemden und Unterhemden mindestens einmal wechseln mussten, so klitschnass durchgeschwitzt waren sie. Niemand redeten von den Schicksalen, von den Unfällen, den Toten, von der Einsamkeit des Schichtarbeiters in kalten Winternächten, um sich herum Eiszapfen und vor sich die Höllenglut...
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Aus „Holiday“, „Land des Lichts – Magische Momente in der Provence“:
Warum, um alles in der Welt, liebt alle Welt diese Gegend? Wo die Landschaft mit ihren vielen stacheligen Gewächsen so kratzbürstig ist wie die Bewohner. Wo scheinbar nichts geschieht. Im Dorf Bonnieux, das sich seit Jahrhunderten am Felsen festkrallt, geht der Reisende in das einzig richtige Bistro am Ort – in das „Café César“ am Place de la Liberté. Was wird er erleben, was wird passieren? Nichts wird er erleben, nichts wird passieren! Selbst während der Hochsaison im Sommer haben sich nur einige schweigsame Gäste auf einen Café crème eingefunden. An der Bar stehen ein paar Einheimische, die Fremden gegenüber ausgesprochen maulfaul und distanziert sind. Wie immer, ob Touristen da sind oder nicht, ob es Winter ist oder Sommer, schlürfen sie den soundsovielten Pastis und diskutieren, mit großen Gesten und schwer verständlichem provenzalischem Akzent, den Lauf der Welt. Wenn die großen Probleme gelöst sind, widmen sie sich ausführlich dem Dorfklatsch. Stoff gibt’s genug, denn Bonnieux ist nicht irgendein winziges Dorf und der Luberon nicht irgendein Berg in der Provence...
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...Wie ein riesiger Wal liegt der Luberon in der südfranzösischen Landschaft, zieht sich 60 Kilometer von Cavaillon bis Manosque von Westen nach Osten...
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...Wer im Luberon Ferien macht, pflegt sein Understatement wie der Pianist seine Hände... Massentourismus ist im Luberon ein Fremdwort. Die Mittelmeerküste ist 90 Kilometer entfernt, kein Golfplatz lockt, zumindest nicht in vertretbarer Entfernung... Der Luberon ist keine vordergründig aufdringliche Gegend... Die Geschichten von Armut, von Verlassenheit und Verfall mischen sich mit dem duftvollen Flair der in der Sommerhitze flirrenden Landschaft. Der Reisende begreift, dass dieser Berg südlich-süßlich und doch unversehens widerspenstig sein darf, dass er sich nicht zähmen lässt. Und er lernt den Bundesbruder des Luberon lieben, der dessen Charakter stürmisch unterstützt: den kalten Wind des Mistral, der sich im Massiv Central aufbaut und über den `Turbolader` Rh´o`netal heranbraust. Er lässt immer wieder für zwei, drei Tage den Sommertraum Luberon zum verwirrenden Vexierbild werden: wenn er die schweren Düfte von Lavendel und Ginster eiskalt wegbläst. Und die Wolken wie bloße Illusionen vom azurblauen Himmel fegt – aber nur für kurze Zeit.
Aus „Holiday“, „Capri – Perle der Götter“:
Der Morgen graut, noch sind die Farben fahl. Weit hinten, im sanften, milchigen Dunst mit dem Meer verschmolzen, liegt Neapel. Daneben steigt in unscharfen Konturen der Kegel des Vesuvs empor. Erste Schritte tappen auf den Granitquadern der Piazza Umberto I in Capri. Noch sind es keine Urlauber, sondern Händler und Lieferanten. Schmale, mit Lebensmitteln beladene Elektrokarren tauchen am einen Ende auf, rumpeln über den Platz, werden am anderen Ende von kleinen Torbögen verschluckt. Hell schneidet der Glockenschlag der Turmuhr in den trägen Morgen, ein Hund kläfft zurück. Ein neuer Tag beginnt, eine neue Inszenierung im Salon der Welt, der Piazza.
Die Capresen nennen ihre geliebten 1600 Quadratmeter Piazza auch Zentrum der Welt oder zärtlich Piazetta. Der Platz hat Geschichte. Hier saßen mehr berühmte Politiker, Literaten, Maler, Regisseure, Wirtschaftsmagnaten als an den Flaniermeilen internationaler Metropolen... Der Platz ist das Herz der Insel. Im alltäglichen Kreislauf wird man immer wieder, mehrmals am Tag, unwiderstehlich zu diesem Herz geschwemmt, mit neuer Kraft voll gepumpt und wieder von ihm ausgespuckt...
...Gegen vier, fünf Uhr nachmittags hat die bucklige Insel ihre Ex-und-hopp-Gäste abgeschüttelt. Kaufhaustüren, Thermoskannen und hochgehaltene Regenschirme sind verschwunden, das optische Tagesmenü – ausgetretene Sandalen, gefüllt mit weißen Socken und Stachelbeerbeinen, dazu Hotpants an Orangenhaut – ist nun gestrichen. Statt dessen aber auch nichts Elitäres und Eitles (dafür ist das urwüchsige Capri der falsche Platz), sondern Geschmack und Gefühl für Harmonie, Interesse an der (und Rücksicht auf die) wunderschöne Umwelt.
Die großen Sehenswürdigkeiten Capris sind bekannt und stehen im Reiseführer. Die kleinen tun sich nur dem wachen Auge auf. Capri ist ein Erlebnis auf sechs mal zwei Kilometern, aber in vier Stockwerken. Parterre liegt auf der südlichen Seite die Marina di Piccola, jener winzige, ruhige Strand mit dem exzellenten Restaurant Ciro, auf der nördlichen Seite der Hafen Marina Grande. Das ist die Unterwelt Capris: der einzige Ort, an dem es massenhaft Ramsch zu kaufen gibt – bei fliegenden Händlern, die unter verschlissenen blau-weißen Schirmen Fußabstreifer, Plastikgeschirr, Nylon-Wonderbras und Bettdecken verscherbeln. Zischend wird Luftballons die Leichtigkeit des Seins eingehaucht. Im Angebot sind ferner Parfüm-Imitate und Schildkröten, Goldfische und Küken...
...Per Bus oder Taxi fährt der Besucher über abenteuerliche Serpentinen hinauf in den zweiten Stock, nach Anacapri. Schon nicht mehr so weltnah wie Capri ist das Dorf, das früher nur über einen steilen Stufenpfad, den Passetiello, erreichbar war. Eine Inschrift in griechischer Sprache zeugt von der charakterlichen Konstanz der Einwohner: „Willkommen in der Stadt der Faulenzer“. Mag der Begriff auch stark strapaziert sein, hier, am Fuße des Monte Solaro, lässt sich die Langsamkeit entdecken. Eine Uhr ist in Anacapri eine der weniger wichtigen Gerätschaften....
...Und das oberste Stockwerk Capris? Das ist die Stille des Monte Solaro...
...Nach dem Aperitif leert sich die Piazza Umberto I, und die exzellenten Restaurants füllen sich. Hier wird nicht schlicht zu Abend gegessen, hier wird getafelt. Ab elf Uhr dann erfolgt die letzte Inszenierung für diesen Tag. Der Besucher sitzt verträumt im geflochtenen Korbstuhl, hängt den Erlebnisses des Tages nach. Und wenn es die richtige Zeit ist, schiebt sich in das viereckige Piazza-Fenster am Himmel die weiße Scheibe des Vollmonds. Der Himmel auf Erden ist nah: Capri, das ist kein Ereignis, das ist ein Zustand.
Aus „Holiday“, „Luxus im Reisfeld – Urlaub in Villen auf Bali“:
Smaragdgrün spiegelt sich der klare Himmel in den mit Wasser gefüllten, von feuchten Erdwällen begrenzten Rechtecken. Wie hunderte natürliche Swimmingpools staffeln sich die frisch gewässerten, jungfräulichen Reisfelder den Hang hinauf, umsäumt von Palmen und exotischen Bäumen. Betörend süß spielt der schwere Duft der weißen und rosafarbenen Frangipani-Blüten seine Kupplerrolle zwischen Mensch und Natur.
Bali. Insel der Götter. Schlaraffenland für gestresste Urlauber aus dem Westen. Die Eintrittskarte für den Garten Eden ist das Flugticket. Ankunft Airport Denpasar. Vom Meer her schwebt der Flieger auf die direkt hinter sandigem Beach beginnende Landebahn. Passkontrolle, Stimmengewirr, „Taxi-Taxi-cheap-cheap-Taxi“-Rufe... Bali präsentiert sich zunächst eher als asiatisches Woolworth-Kaufhaus. Vor allem Kuta wird immer mehr zum Sündenfall... Der Hit sind die allgegenwärtigen Verkäufer von Edeluhr-Imitationen. Zu dutzenden tigern sie durch die Straßen, und sobald sie einen „Orang Puti“, einen Weißen, erspähen, schwebt ihr großer, flacher Musterkoffer waagerecht vor der Brust des Touristen, just in dem Moment, als dieser passieren will, wobei permanent der Ruf „Woootschiss“ ertönt. Du gehst weiter, und schon wieder reißt ein Koffer sein Maul weit auf, und glitzernde falsche Rolex- und Tag-Heuer-Uhren blinken dich funkelnd an wie Zähne im weit aufgerissenen Maul eines Krokodils...
...Als Villenbewohner lebt man mitten im Herzen des echten Bali, spürt den Hauch der Götter: Die Villen liegen wunderschön – am Meer, in Palmenhainen, zwischen Reisfeldern bei einem Dorf, am Hang direkt über einem wildromantischen Flusstal. Der Blick aus der Villa ist Marihuana fürs Auge. Jede der Villen ist eine architektonische Sensation für sich, mit der kein Hotel mithalten kann. Wer nicht 50 bis 200 Gästezimmer bauen muss, sondern nur eine Handvoll, der kann eine Menge Freude am Detail ohne Zwänge ausleben...
PR-TEXTE
Aus der 74-Seiten-Jubiläumsbroschüre „Auf dem Weg – Volkswagen Nutzfahrzeuge – 50 Jahre Werk Hannover:
Ein Werk im ständigen Wandel: Kein Meister fällt vom Himmel, schon gar nicht bei Volkswagen, denn hier ist beste Ausbildung gefragt. Aber früher fiel schon mal der Himmel auf den Meister – zu Zeiten nämlich, als der große Dachhimmel des Transporters umständlich von unten am Fahrzeugdach befestigt werden musste. Für diese gar nicht einfache Arbeit gab es spezielle „Himmelbauer“. Heute rückt das Dachmodul auf der Fertigungsstraße bereits komplett mit Himmel, Lüftung und Verkabelung an. So wie in diesem Bereich wurden und werden im hannoveraner Werk für Volkswagen Nutzfahrzeuge permanent modernste Erkenntnisse und Techniken umgesetzt. Nicht von ungefähr kommen einige Bahn brechende Technologien, die heute im Automobilbau Standard sind, aus Hannover, wie etwa der „Swing Shuttle“, der selbst erkennt, welcher Fahrzeugtyp anliegt und wie er bearbeitet werden muss. Auch die Messtechnologie für die Überwachung des Produktionsprozesses hatte ihre Geburtsstunde im Werk Hannover.
Vier-Seiten-Prospekt Fünf-Elemente-Vitalhotel Stoderhof, Oberösterreich:
Wenn die Energien wieder frei fließen...
Der kleine Fluss, der durch das Stodertal gurgelt, ist ein Symbol des Lebens: „Alles fließt“ heißt der berühmte Spruch des altgriechischen Philosophen Heraklit von Ephesos, der damit die Energie des Seins meinte, jenen Energiefluss, in den auch der Mensch eingebunden ist.
Alles fließt. Heraklit sagte auch, man kann unmöglich zwei Mal in denselben Fluss steigen, da er sich durch den Lauf des Wassers ständig verändert. Im Buddhismus findet man häufig das Bild eines Mönches, der am Wasser sitzt – Sinnbild dafür, dass man mit den Energien gehen muss, dass gesundes Leben und Denken heißt, die Dinge im Fluss zu halten. Genau hier liegt oft das Problem des modernen Menschen: Stress, Hektik, Ängste und Druck und nicht zuletzt die Fast-Food-Ernährung führen in Körper und Seele zu Energieblockaden, die uns den Weg zu unseren inneren Kraftwerken versperren, Unwohlsein und sogar Krankheiten hervorrufen können.
Im Stoderhof haben Sie die einzigartige Möglichkeit, zu den mächtigen Quellen Ihrer inneren Energien zu gelangen und sie wieder sprudeln zu lassen. Denn in diesem Hotel verbindet sich das Außen – die harmonische und kraftvolle Landschaft des Stodertals – mit dem Innen, in einem Hotel ohne Schnickschnack, aber mit einem besonderen, ausbalancierten Beauty- und Therapieangebot...
Aus „Railworld Magazin“, Sept. 06 (86-Seiten-Infomagazin für Investoren, siehe auch www.railworld-gera.de, „Downloads“) :
SO BRINGT MAN TRÄUME AUF DIE SCHIENE
EIN PROJEKT MIT ZUGKRAFT
CHANCEN IM BANN DER BAHN
Railworld Gera - Wie der Mythos Eisenbahn in ein faszinierend vielfältiges Projekt gegossen wird
Der schwere Hauch des Stillstands ist das, was niemand braucht. Kein Bürger, kein Wähler, kein Arbeitnehmer und schon gar nicht ein Investor. Eine prosperierende Gesellschaft lebt von einem ständigen Input, wird inspiriert von neuen Ideen, die konkret umgesetzt werden, braucht Projekte, über die man die Dinge immer wieder in Bewegung bringt. Aber besonders in den zurückliegenden Jahren fehlte in vielen Bereichen häufig diese zukunftsorientierte Leichtigkeit, die eine Idee am Anfang benötigt wie der Fisch das Wasser. Inspiration hat mit einer offenen Beweglichkeit nach allen Seiten zu tun. Wo die Füße schwer am Boden kleben, da keine Inspiration, keine Idee, kein Fort-Schritt.
Die Leichtigkeit einer Idee reicht andererseits alleine auch nicht aus ... Sie muss ein realisierbares Projekt werden ...
Bald von Ihnen zu hören, wäre mehr als ein schöner Zug...
(Das Projekt befindet sich mittlerweile auf dem Weg zur Realisation)
Aus der 33-Seiten-Presseinformation „AGING 2000 – Joint Meeting – a comprehensive approach to mental health“, München 9/1998:
Prognostizierte negative Entwicklungen können nach Überzeugung der Fachleute nur mit entsprechenden Aktivitäten in Forschung, Krankenbetreuung und gesamtgesellschaftlichem Engagement gemildert werden. In vielen Ländern sind Gerontopsychiatrie und Geriatrie bereits fest verankert – so in Großbritannien, Frankreich, Holland, Spanien, Italien, Skandinavien und der Tschechischen Republik. Auch wenn nahezu in allen Regionen Deutschlands geriatrische Kliniken entstehen und geriatrisch engagierte Ärzte entsprechende Denkanstöße geben und Planungen anregen: Nach Expertenmeinungen verläuft diese Etablierung in Deutschland, Österreich und der Schweiz eher sehr langsam, ein schneller Anschluss an die internationale, aktuelle Entwicklung wäre dringlich. Eine Folge der europäischen Integration wird es zudem sein, dass diese Fachbereiche der Altersheilkunde in den Ländern der EU zum medizinischen Kanon gehören werden, und Ärzte mit Spezialausbildungen dies auch im Titel führen dürfen – das Joint Meeting AGING 2000 ist ein großer Schritt für Deutschland, diesen Zielen näher zu kommen.
Aus „i-center-journ@l“:
Starke Partnerschaften mit Top-Firmen
Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied, sagt der Volksmund. Die Erkenntnis ist sicher richtig und dahinter steht noch eine viel wichtigere: Es ist gut, eine Kette zu haben, eine zu bilden. So ist es für i-center ein wichtiger Bestandteil der Firmenphilosophie, passende, renommierte, starke und innovative Partner zu haben und mit ihnen auch sehr enge, freundschaftliche geschäftliche Beziehungen zu pflegen. Die Verbindung von so starken Kettengliedern wie zwischen dem Unternehmen i-center und seinen Partnern schafft ein kraftvolles Ganzes, das letztlich unseren Kunden zugute kommt.
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