My View
Journalismus, Bücher und PR arbeiten gleichermaßen mit Texten und müssen grundsätzlich dasselbe leisten: Der gute Text setzt eine saubere Recherche voraus und mündet in eine dem Ziel entsprechende optimale Umsetzung. Übertriebene Grenzziehungen zwischen den Bereichen entspringen oft eher einem kontraproduktiven Statusdenken.
Auch eine andere Mauer macht wenig Sinn: Leser nicht nur über den Kopf, sondern über Kopf und Bauch anzusprechen, schränkt die Seriosität keineswegs ein. Das Feature auf Seite Drei einer Tageszeitung verdeutlicht Vorgänge oft exakter, als der trockene Faktenbericht zum selben Thema auf der ersten Seite. Ganz einfach deshalb, weil unser Leben selbst in scheinbar rein intellektuell geprägten Bereichen stets auch emotional unterfüttert ist. Unser Kopf ist ohne Herz nicht lebensfähig.
Stieselig-steife Artikel langweilen ebenso wie Fach- und Sachbücher in hölzerner Diktion oder flache PR-Texte. Weder gewinnt ein Text durch Staubtrockenheit an Glaubwürdigkeit noch gewinnt man mit leeren Worthülsen Menschen. Textliche Effizienz und Kreativität sind anderswo angesiedelt. Zu billige Texte kommen teuer.
Texte sollen dem Auftraggeber gefallen, sicherlich; vor allem aber müssen sie im Leser etwas auslösen, ihm Freude bereiten, ihn befriedigend informieren, ihn berühren oder aktivieren.
Antoine de Saint-Exupéry sagte: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“.
Und wenn das mal nicht so leicht zu sein scheint, zeigt uns der schöne Satz von Erich Kästner, wie man weiterkommt: „Auch aus Steinen, die im Weg liegen, kannst du etwas Schönes bauen“.
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